Kuh in den Bergen bei Sonnenaufgang

Am Anfang war die Kuh


Landwirtschaft, regionale Lebensmittel und ich //

Es war einmal ein Mädchen, das wohnte mit seiner Familie inmitten von grünen Wiesen vor den hohen Bergen. Sie liebte es, nebenan auf dem Hof ihres Onkels beim Eintreiben, Melken und Entmisten der Kühe zu helfen und die Kälber zu tränken.

Namensschild

Später, ab der Mittelstufe, arbeitete es zweimal wöchentlich im Supermarkt seines Heimatdorfes und wurde „Du Fräulein Zeller“ genannt.

Jugendliche mit Kuh

In der Oberstufe fuhr es nach Lettland zu einem Schüleraustausch und ’seine‘ Lettin zeigte ihm am Familientag den kleinen Stall ihrer Familie neben dem Wohnblock am Ende der Sandpiste.

Frauengruppe

Auf einer Reise in Indien traf die junge Frau in einem Weltkulturerbe-Tempel zufällig auf einen Bäuerinnenausflug des DATC Kampli. Die Damen setzten sich um sie und wollten wissen, wie das so ist mit der Landwirtschaft in Deutschland. Der im Spontanvortrag erwähnte Milchpreis Bayerns von damals etwa 45 Cent pro Liter erweckte bei den indischen Landwirtinnen großes Mitleid.

Einige Zeit später wanderte sie durch ihre Heimat und kam auf eine Alpe. Die Stimmung dort ließ sie nicht mehr los und so beschloß sie, sich das Leben und Arbeiten in der Alpwirtschaft genauer anzusehen.

Laptop auf Schreibtisch mit Käse

Sie besuchte und befragte Älpler, las und dachte darüber nach – und aß dabei viel guten Käse.


Schon bald spürte sie, daß es nicht nur bei der Theorie bleiben sollte. So besuchte sie einen Kurs für Alppersonal, absolvierte ein Praktikum auf einer Allgäuer Sennalpe und arbeitete danach dort zwei Jahre mit. Da war es wieder, das Vieh und die Stallarbeit. Feiner Käse. Dazu die Berge und der Himmel so nah.

In den Folgejahren beschäftigte sie sich als Gesellschaftskundlerin mit Landwirtschaft, den Alpen und der vielfältigen Vielschichtigkeit der Welt. Sie verschaffte sich Wissen auf allen möglichen Wegen: In Büchern, Zeitschriften und online, in Universitäten, auf Veranstaltungen, fragte Experten, schrieb Aufsätze und gab ihre Erkenntnisse in Vorträgen weiter.


Zu dieser Zeit trug es sich auch immer wieder zu, daß sie auf Höfen und Almen in Oberbayern und Südtirol aushalf.

Auch auf Englisch erzählte sie immer wieder von der Berglandwirtschaft

  • als Übersetzerin und Teil einer Älplerdelegation in Strassburg beim EU-Agrar-Kommissar Phil Hogan;
  • in Neuseeland im riesigen Melkkarussell, mit Jerseys und Angus auf den Weiden und auf einer Hütte, mit dessen Wart – einem ehemaligen englischen Landwirt – sie sich bezüglich alter Rinderrassen sofort eins wurde und der dann auf seiner Europareise das Allgäu und seine Oldtrecker sehen wollte;
  • in Thailand mit Wasserbüffeln und Selbstversorger-Landwirtschaft;
  • in der lange Zeit leider verwaisten slowenischen Alpwirtschaft mit ihrem einheimischen Cika-Vieh.

Nach ihrer Zeit zwischen den Büchern war ihr klar, daß ihr viel an einer größeren Nähe zwischen der Landwirtschaft und dem Rest der Gesellschaft lag. Dieses Ziel verfolgte sie schließlich als Regionalitätsverantwortliche einer Supermarktkette.

Hausmesse Rewe

Dann ließ ein Alpsennenkurs in der Schweiz ihr Bergfieber wieder aufflammen. So brach sie auf, um sich den Sommer auf einem Schweizer Bergbauernhof mit Alpe zu verdingen.

Frau mit Kuchen

Danach nahm sie etwas, das sie insbesondere die Bergsommer gelehrt hatten, mit ins Tal: Selbständigkeit. Im Herbst gründete sie trotz anderweitiger Einladungen ihre eigene Firma aHEU – Regionale Vermarktungsstrategien, eine Firma mit mindestens fünf Schokoladenkuchenseiten.

Frau mit Zertifikat

Das neue Jahr brachte eine Fortbildung zur Käse-Sommelière („mit Auszeichnung“, solle sie dazusagen, ermahnte sie immer der Freund, der den aHEU-Kuchen gebacken hatte (; ).


Nun arbeitet sie für Landwirte und andere kleine und mittelgroße Lebensmittelbetriebe, nimmt an vielen Veranstaltungen teil, leitet Seminare und hält Vorträge. Und bloggt natürlich.

Und wenn sie nicht gestorben ist…
Es läßt mir keine Ruhe, daß möglichst viele Menschen, Tiere und Pflanzen ein gutes Leben in der Landwirtschaft haben sollen. Und so gute Nahrung für alle erzeugen können.

Dazu braucht es auch den Rest der Gesellschaft. Dieser hat nurmehr selten eigenen Kontakt zur Landwirtschaft und versteht diese deshalb oft nicht. Auch deshalb gibt es diesen Blog, mit dem ich Euch mit auf meine Streifzüge nehme.

Am Anfang war die Kuh.

*) Bild der „Zukunftstage Lebensmittel“ dankend erhalten vom Kompetenzzentrum Ernährung

Heike, 7. August 2019

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